Länderspielpause gewinnbringend genutzt

Der Spieltagskommentar

Profis
Montag, 16.10.2017 // 13:57 Uhr

Unser Spieltagskommentator hat sich mit dem Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue noch einmal auseinandergesetzt. Er sah eine verbesserte Kleeblatt-Elf, die nach einem Schritt in die richtige Richtung weiter an der Effektivität arbeiten muss – und für die das Publikum ein wesentlicher Faktor war.

Das 1000. Spiel der SpVgg in der Zweiten Bundesliga wurde erfolgreich absolviert: Mit dem 2:1-Sieg gegen Erzgebirge Aue gab das Kleeblatt die Rote Laterne ab und fand den Anschluss ans Mittelfeld – auch wenn zurzeit noch ein Abstiegsplatz belegt wird.

Klar: Das wichtigste war natürlich, dass unterm Strich ein Dreier stand. Aber fast ebenso wichtig war die Erkenntnis, dass die Länderspielpause gewinnbringend genutzt worden war. Endlich hatte Damir Buric Zeit, der Mannschaft seine Ideen von Taktik und Spielauffassung näher zu bringen. Das hat gefruchtet.

Fans sind ein Faktor

Fans und Mannschaft sind die 90 Minuten geschlossen angegangen.

Erfreulich, wie Mannschaft und Fans schon vor dem Anpfiff ein Zeichen gesetzt haben, wie sie die kommenden neunzig Minuten angehen wollen. Der Anhang stand spürbar hinter den Weiß-Grünen, die schon beim Warmmachen vor der eigenen Kurve Geschlossenheit demonstrierte. Das Team und die Fans pushten sowohl sich selbst als auch den jeweils anderen. Der Funke sprang über: vom Rasen auf die Ränge – und umgekehrt. Auch das war ein Faktor. Auch das ist ein Weg, wie man in einer schwierigen Situation gut ins Spiel kommen kann.

Auf dem Rasen sorgte das 3-4-3-System von Beginn an für Spielkontrolle und Druck auf die gegnerische Abwehr. Aue hatte Mühe, sich geordnet aus der eigenen Hälfte zu kombinieren, das gelang den Sachsen nur ganz selten. Chancen für den FCE gab es vor der Pause nicht. So war eine Schwachstelle der vergangenen Wochen, die Rückwärtsbewegung, ausgemerzt.

Fehlende Effektivität bleibt ein Kritikpunkt

Khaled Narey machte das 1:0.

Das 1:0 durch Khaled Narey rund fünf Minuten vor der Pause war hoch verdient, auch nach dem Wechsel blieb das Kleeblatt spielbestimmend. Der Kritikpunkt, den auch Damir Buric anführte: Aus der Überlegenheit hätte man mehr Treffer machen müssen.

Tut man es nicht, passiert oft, was man dann zu sehen bekam: Aue nutzte seine erste echte Tormöglichkeit zum Ausgleich, kurz darauf musste Sascha Burchert in seinem ersten Zweitliga-Spiel der Saison gegen den alleine auf ihn zulaufenden Köpke retten – das Spiel hätte Mitte der zweiten Hälfte innerhalb weniger Minuten kippen können. Aues Trainer Hannes Drews gab ehrlich zu, dass dies nicht verdient gewesen wäre – man darf aber annehmen, dass die Gäste trotzdem kein schlechtes Gewissen bekommen hätten, wenn ihnen doch noch etwas Zählbares auf die Füße gefallen wäre.

Glücklicherweise aber kamen David Raum und Daniel Steininger. Raums akrobatische Seitfallzieher-Flanke veredelte „Steini“ in der Luft liegend mit einem Volley-Kunstschuss, der vom Lattenkreuz hinter die Linie sprang – kurz vor dem Ende das überfällige Siegtor.

Gelungener Einstand für Roberto Hilbert

Roberto Hilbert feierte einen Einstand nach Maß.

Das bescherte nicht nur die eingangs erwähnten drei Punkte, sondern auch einen schönen Einstand für Roberto Hilbert. Einen Tag vor seinem 33. Geburtstag zeigte der Heimkehrer eine gute Vorstellung. Dass er nicht bis zum Ende durchhielt, war zu erwarten. Doch man konnte sehen, dass der Ex-Nationalspieler von Anfang an ein stabilisierendes Element für das Kleeblatt ist.

So gab es einiges Positives, doch die Situation bleibt natürlich nicht einfach. Die guten Ansätze müssen nun vertieft werden – man kann das aus der Außenseiterposition heraus am Samstag bei Union Berlin tun. Auch wenn die Berliner in der langen Geschichte der Zweitliga-Zugehörigkeit der SpVgg zu den Lieblingsgegnern gehören und von zehn Liga-Spielen an der Alten Försterei nur eines gewinnen konnten (2003), so tritt das Kleeblatt diesmal als Außenseiter an. Macht aber nichts, denn aus dieser Position heraus kann man durchaus für eine Überraschung sorgen.