Mit Martin Meichelbeck im Gespräch - Teil I

Profis
Donnerstag, 19.07.2018 // 09:56 Uhr

Technischer Direktor - das ist der Titel von Martin Meichelbeck bei der SpVgg Greuther Fürth. Immer wieder wird gefragt, was eigentlich dahinter steckt und was er in dieser Funktion überhaupt alles zu tun hat. Um das aufzuklären und die Aufgaben von Martin Meichelbeck mal etwas näher zu beleuchten und greifbarer zu machen, haben wir mit ihm ein ausführliches Interview gemacht.

Hallo Martin, seit Sonntag seid Ihr jetzt hier in Haus im Ennstal, wie läuft aus deiner Sicht die Vorbereitung?

Martin Meichelbeck: Aktuell sind wir sehr zufrieden. Wir hatten ein gutes Team-Building in der fränkischen Schweiz, wo die Mannschaft und das Trainer-Funktionsteam unter einfachen Bedingungen lebten. Das Ziel hier war, dass sich alle in einer schönen Natur näherkommen, Handys weglassen und sie sich mit sich selbst beschäftigen. Es war schnell spürbar, dass alles gut angenommen wird.

Team-Building-Massnahmen sind ja eher fußballfremd, wichtig ist hierbei, den Transfer und die Prozesse in den Fußball in Form einer Teamentwicklung zu schaffen. Medizinisch sind alle Spieler, mit Ausnahme von Marco Caligiuri, meist im Training oder in den Testspielen verfügbar, so dass hier das Trainerteam gut und gezielt mit den Spielern arbeiten kann. Muskuläre Themen und das eine oder andere Wehwehchen gehören zu einer Vorbereitung dazu. Die Spieler steigern täglich ihre Fitness, es ist viel Leben in der Gruppe, sie kommunizieren gut auf dem Platz, von daher sind wir zufrieden.

Bin kein Mensch, der groß die Öffentlichkeit sucht.
Martin Meichelbeck

Du wirst in der Öffentlichkeit oft nur wenig wahrgenommen. Manche fragen sich, was macht der Martin Meichelbeck eigentlich im Verein?

Martin Meichelbeck: Grundsätzlich bin ich kein Mensch, der groß die Öffentlichkeit sucht. Das war ich nicht als Spieler und das bin ich auch nicht als einer der Verantwortlichen im Verein. Ich bin gerne im Hintergrund. Das hat aber auch seine Gründe. Wie bei jedem Profiverein gibt es Verantwortlichkeiten in der Außendarstellung. Und bei uns äußern sich zu sportlichen Themen der Cheftrainer, der Sportdirektor und der Geschäftsführer. Wenn ich mich hier auch ständig zu sportlichen Dingen äußern würde, wäre das in unserer Zusammenarbeit als auch in der Wirkung nach innen und außen nicht gut. Deshalb äußere ich mich in der Regel nur zu medizinischen Themen.

Dann kommen wir zu den inhaltlichen Aufgaben. Wie sehen die denn aus?

Martin Meichelbeck: Seit sieben Jahren verantworte ich die Bereiche Medizin, Sportwissenschaften und Sportpsychologie sowie Themen der Unternehmensentwicklung, natürlich auch in Absprache mit der Geschäftsführung. Das sind alles sensible Bereiche und manche Aufgabengebiete haben sehr viel mit Vertrauen zu tun. Und gerade im Bereich der Sportpsychologie, die seit neun Jahren bei uns im Gegensatz zu vielen Vereinen in der 1. und 2. Bundesliga ein etablierter Baustein in der Betreuung und Unterstützung der Spieler ist, besteht noch sehr viel Aufklärungsbedarf.

Immer in engem Austausch: Martin Meichelbeck und Trainer Damir Buric.

Lass uns doch ein bisschen tiefer eintauchen in die einzelnen Aufgabengebiete! Wollen wir mal mit dem medizinischen Bereich beginnen?

Martin Meichelbeck: Gerne. Vor sieben Jahren bekam ich vom Präsidenten und Geschäftsführer Sport Helmut Hack den Auftrag, neben meiner sportpsychologischen Tätigkeit, den medizinischen Bereich neu aufzustellen. Ziel war es, ca. 250 Spieler im Profi- und Nachwuchsbereich optimal versorgen zu können. Im heutigen Profifußball besteht ein Ärzteteam aus mehreren Spezialisten, das mithilft, Spieler stabil zu halten und bei Verletzungen und Erkrankungen so schnell als möglich wieder in den Wettkampf zu führen.

Unser langjähriger Teamarzt Dr. Harald Hauer übernahm hier den Bereich Allgemeinmedizin (NLZ und Profis), Dr. Jochen Gruber den Bereich Sportmedizin, Chiropraktik und Alternativmedizin (Profis), Dr. Pascal Oppel ebenfalls den Bereich Sportmedizin als wichtiges Bindeglied zur Uniklinik Erlangen (NLZ und Profis) und Dr. Leo Fraunberger den kardiologischen / internistischen / leistungsdiagnostischen Part (NLZ und Profis). Dieses Ärzteteam wird auch in der kommenden Saison für unsere Profis und Nachwuchsspieler da sein, wenngleich am Spieltag vor allem Dr. Oppel bei den Profis zu sehen sein wird.

Unser herzlichster Dank!

Eine ganz wichtige Rolle nehmen auch unsere Physiotherapeuten ein: Carsten Klee, Marius Koc und Benny Ngarambe im Profibereich und Bernd Gugel mit seinem Physioteam im NLZ. Sie sind ganz nah an den Spielern dran und wir haben hier sehr gutes Personal, das unsere Spieler mit sehr viel Herzblut und Kompetenz versorgt. Meine tägliche Aufgabe besteht darin, Reha- und Therapiepläne sowie Maßnahmen mit den Ärzten, Physios und Spielern zu steuern, die Kosten, z.B. Absprachen mit der Berufsgenossenschaft, im Blick zu haben und den medizinischen Bereich stetig weiterzuentwickeln.

Wir hatten vor kurzem im Rahmen einer Promotion von der DFL eine Bewertung unserer medizinischen und athletischen Abteilung. Laut derer Bewertung sind wir in der 2. Liga top und definitiv auf Bundesliganiveau. Das geht natürlich nur mit den Menschen, Ärzten, Physios, Athletiktrainern und unseren Partnern, die hier einen tollen Job machen. Dafür auch mal an dieser Stelle unser herzlichster Dank.

Neben dem Ärzteteam hat die Spielvereinigung in den letzten Jahren auch einige Gesundheitspartner an ihre Seite geholt...

Martin Meichelbeck: Das ist ein ganz wichtiger Punkt in einer umfassenden Betreuung unserer Spieler und Mitarbeiter. Zunächst kooperierten wir mit der Uniklinik Erlangen, die mit all ihren Fachbereichen 24 Stunden verfügbar ist und uns auch bei komplizierteren Erkrankungen helfen kann. Hier gilt mein besonderer und herzlicher Dank Prof. Dr. Dr. Heinrich Iro (Ärztlicher Direktor, HNO-Arzt und großer Kleeblatt-Fan) sowie Prof. Dr. Friedrich Hennig (Leiter der Unfallchirurgie). Ohne diese Beiden hätte die Kooperation niemals so entstehen und gelebt werden können.

Als nächstes erfolgten Partnerschaften mit IQ-Move, wo Dr. Leo Fraunberger mit seinem Team an der Sport-Uni in Erlangen alle Spieler von den Profis bis zur U12 kardiologisch, internistisch und leistungsdiagnostisch untersucht, testet und bewertet. Mit diesen Daten und Empfehlungen arbeiten wir dann im Alltag. Es folgten weitere Kooperationen mit der ABF Apotheke, mit dem Sanitätshaus Orthopoint (Wirbelsäulenvermessungen, Einlagenversorgungen, etc.), Zimmer Medizin-Systeme (Elektrogeräte für die Physiotherapie, mobiler Ultraschall, Tiefenwärme, etc.), Sanguvit (Nährstoffversorgung anhand von Vollblutanalysen und Ernährungsberatung für die Spieler), der Simssee-Klinik in Bad Endorf (Reha am Chiemsee für längere und schwerere Verletzungen), Rehabillitaris (Reha-Partner bei uns in der Nähe) sowie Kanzlsperger (Verbandsversorgung, Tapes, etc…). Diese langjährigen und gewachsenen Partnerschaften versorgen den Lizenzbereich und das NLZ und es bedarf hier natürlich sehr vieler Gespräche, um alles zu koordinieren, Partner zu pflegen und Prozesse zu leiten.

Dennoch hatte das Kleeblatt im letzten Jahr einige Verletzungssorgen. Wie bewertet ihr das?

Martin Meichelbeck: Ich bin kein Freund von pauschalen Urteilen. Für mich sind Ausdrücke wie Verletzungspech nicht zielführend. Die meisten Verletzungen haben ihre Ursachen und Erklärungen und die muss man sich genau anschauen. Hier muss man sich immer den Einzelfall und die jeweiligen Voraussetzungen anschauen. Wir hatten in der letzten Saison mit Bolly, Sararer, Pinter und Omladic vier Spieler mit unterschiedlichen Langzeitverletzungen, die wir letztlich nur bei Omladic nach langer Therapie in den Griff bekommen haben und er nun hoffentlich stabil bleibt.

Der Aufwand kann sich extrem lohnen.
Nahe dran: Martin Meichelbeck steht Marco Caligiuri nach seinem Muskelfaserriss beim Aufbautraining zur Seite.

Ich würde gerne hier mal am Beispiel von Mathis Bolly unser Denken bei der SpVgg erklären. Natürlich wussten wir im Vorfeld, dass wir mit Mathis einen in der Vergangenheit verletzungsanfälligen Spieler bekommen würden. Wir haben hier in den verschiedenen medizinischen Testungen unterschiedliche Ansätze gesehen, um ihn zu stabilisieren. Wir sind auch alle Themen angegangen und das war in seinem Fall sehr komplex und aufwendig. Denn wir wussten, dass, wenn wir ihn stabil kriegen, er ein wahnsinnig schneller Spieler ist, der den Unterschied im Spiel ausmachen kann und letztlich ein Mehrwertspieler für den Verein und auch für sich werden kann. Diese Rechnung ging leider für beide Seiten nicht auf.

Dennoch müssen und werden wir immer wieder solche Projekte machen und Wagnisse eingehen. Die Fälle Baba, Stieber oder Franke zeigten, ohne hier auf die vielen medizinischen Themen einzugehen, dass sich der Aufwand für beide Seiten extrem lohnen kann. Wir müssen aber schauen, dass wir nicht zu viele dieser „Projekte“ haben und das war leider letzte Saison der Fall. Bei Sararer und Bolly wussten wir vor der Saison, was uns erwartet, Pinter und Omladic kamen leider dazu.

In Teil II des Interviews spricht Martin Meichelbeck unter anderem über Sportpsychologie.

 

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